Monumenta vetustatis germanicae

von Hubert Pitzen


- so lautet der Titel eines Büchleins, das der Herborner Theologieprofessor Johann Eberhard Rau 1738 in lateinischer Sprache verfasste. Es handelt sich dabei unter anderem um die Beschreibung der Überreste des Jünkerather Römerkastells (Icorigium). Die Siedlung (vicus) mit ihrer fast kreisrunden Maueranlage, zwei Toren und 13 Türmen war im Verlauf der Völkerwanderungszeit durch fränkische Krieger teilweise zerstört (275/76) und später von den Römern aufgegeben worden. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Ruinen des Kastells noch gut sichtbar. Nach Besichtigung der Örtlichkeit verfasste Rau das Büchlein und fugte gleichzeitig der Schrift drei Abbildungen bei, auf die später noch näher eingegangen werden soll.
Um 1820 hatte der Verfasser der "Eiflia illustrata" Johann Friederich Schannat die Ruinen des Jünkerather Kastells besucht. Zu dieser Zeit bestanden jedoch noch Zweifel an der Existenz eines Kastells in Jünkerath, das in den alten römischen Reisekarten (Itineraria) als Herbergs- und Pferdewechselstation an der Römerstraße Trier - Köln eingezeichnet war. Endgültige Klarheit schufen die Ausgrabungen des Landesmuseums Trier, als in den Jahren 1886-1890 Kastellüberreste gesichert werden konnten.
Ein Exemplar des Büchleins von J. E. Rau ist nun durch die zufällige Entdeckung des Jünkerathers Dieter Klaus in einem Kölner Antiquariat nach Jünkerath zurückgekehrt. Rau berichtet im 1. Kapitel, dass er nach Überschreitung des Rheins in die Eifelgegend kam, die damals den Grafen von Manderscheid gehörte.

Dann heißt es wörtlich:
"Der Weg ging zu einem Feld in den Bereich dieser Grafen vom Blankenheimer Zweig, wo in einem Tal, rings von Bergen umgeben, das Schloss Jünkerath liegt, mit der Bezeichnung eines Residenzplatzes der Herrschaft. Nicht weit von hier, gegen Osten am Kylla-Fluss ... liegt eine Eisenschmiede. Ich ging zu ihr und führte Gespräche mit den Bewohnern, mir schon lange bekannte Menschen von erprobter Zuverlässigkeit. Beiläufig erwähnten sie ein, wie sie sagten, altes Gebäude, gelegen jenseits der Kyll, nicht viele Schritte entfernt... Leicht erweckten sie meine Begierde, sodass ich die Örtlichkeit sogleich in der Dämmerung besichtigte. Sie berichteten von ebendort ausgegrabenen Münzen und versicherten, dass sich wohl noch eine Menge im Hügel befinden werde."

Im 2. Kapitel berichtet Rau über die Überreste und Lage dieses Monuments:
"Was von diesem Monument übrig ist, dem Unverständnis lange Zeit entgangen, ist dies: Mitten im Tal ragt eine Umwallung heraus in einem Umfang von 300 (röm.) Schritten. Überschreitet man sie, findet man folgendes: Wenig über die Umgebung herausragend; außerdem, was durch Haus, Gärten und Wiese kürzlich von den jetzigen Besitzern verändert ist, von einem Wall umgeben, darauf aufsitzend zwei kleine Türme aus behauenem Stein, 8 Fuß breit, von denen noch deutlich Grundrissspuren feststellbar sind Im Mittelpunkt der Umwallung ragen Reste eines dreieckigen Gebäudes hervor aus behauenen Steinen von wunderbarer Größe und einem Material, wie es sich in den benachbarten Bergen nicht findet. Die Seiten des Gebäudes haben auf der Bodenoberfläche sicherlich 20 Fuß. Darunter befindet sich ein ausgehöhltes Gewölbe. Vor Jahren, in der Hoffnung, Schätze zu finden, wurde das Gewölbe vom Besitzer des Grundstücks, einem gewissen De L 'Eau, durchbrochen. In nächster Nähe der Ecken des Gebäudes sieht man Felstrümmer in dreieckiger Ordnung, ringsherum Mauerpfeiler zur Befestigung der Fundamente."
 
Der im Text erwähnte Besitzer des Grundstücks De L 'Eau war kein Geringerer als der 1. Hüttenmeister, der im Jahre 1687 von Graf Salentin Ernst v. Manderscheid-Blankenheim die Konzession zur die Errichtung einer Eisenhütte erhielt.
Den merkwürdigen dreieckigen Bau mit dem teilweise zerstörten Kellergewölbe hat später niemand mehr gesehen. Seine Überreste befinden sich möglicherweise heute noch im Bahndamm der 1869/70 gebauten Eifelstrecke. Jedenfalls findet das "Gebäude" bei der Ausgrabung des Trierer Museums 1886 keine Erwähnung.
Rau deutet das Gebäude als ein Kenotaph, also ein Scheingrab. Diese Deutung entlehnt er dem Fund eines viereckigen Steines, der aus den Trümmern des Gebäudes ausgegraben wurde. Rau beschreibt ihn so.

"Dieser Stein zeigt in altertümlicher Kunstfertigkeit einen zweispännigen Wagen, auf vier Rädern fahrend; den ein Wagenlenker fährt, der in der Hand eine Geißel hält. Darin sitzen drei Männer, angetan mit der Toga. Zwei sitzen auf dem vorderen, der dritte auf dem hinteren Sitz. Die beiden vorderen blicken nach vorne, der dritte wendet sich und blickt rückwärts. Von ihnen trägt der zur Linken einen Lorbeerkranz auf dem Haupt, dagegen nicht die zwei anderen. Zuletzt werden Münzen römischer Prägung aus dem Acker herausgeholt. Daraus kann man ersehen, wie alt das Gebäude, ob einst von den Römern gegründet oder ob es für einige ihrer Vorfahren von einer gallischen Bürgerschaft angelegt wurde, deren Religion es diente. Einige von den Münzen verwahrt der Graf in seiner Sammlung, andere aus Erz erhielt ich von den Anwohnern mit Bildnissen von Domitian, M Antonius, Commodus, Alexander Severus, Constantinus und anderen, deren Inschriften völlig verwischt waren ... "

Rau will nun in der mit Lorbeer gekrönten Person den Kaiser Augustus, in den beiden anderen Personen seine Enkel Gajus und Licius, erkennen. Nach Rau hat die in Jünkerath einquartierte 12. Legion das Scheingrab errichtet. Rau versucht sogar den Namen ,Jünkerath" von diesem Denkmal abzuleiten, indem er ihn als "nobilium concursus", d.h. Zusammenkunft der Vornehmen, erklärt. In ,,-rath" sieht er ein keltisches Lehnwort aus dem Lateinischen: "rudus" = ein mit Steinen besäten felsigen Platz.
Bei der Deutung des Namens Jünkerath irrt sich Rau, denn die Endung ,,-rath" entstammt der Rodungsphase der Eifel, als Dörfer nach einem starken Bevölkerungsanstieg um 1000 n. Chr. auf Rodungsflächen gebaut wurden. Bei der Deutung des Scheingrabes sind zumindest starke Zweifel angebracht.

Unter der Überschrift "Rudera Monumenti apud castellum Junkerraht MDCCXXXVIII" findet sich im Büchlein eine Zeichnung von den zwei Bereichen, aus denen "Jünkerath" 1738 bestand. Die Gemeinde Jünkerath existiert erst seit dem Jahre 1930. 1738, als das Büchlein von Rau erschien, haftete der Begriff ,Jünkerath" lediglich am (Jünkerather) Hüttenwerk und dem (Jünkerather) Schloss, dem Zentralort der Herrschaft Jünkerath.
Im Hintergrund des Bildes sind Eifelberge und vereinzelte Bäume aufgezeichnet. Die Kyll (Kylla- Fluß) teilt das Bild waagerecht in der Hälfte. In der oberen Bildhälfte ist die Umwallung des Kastells grundrissartig zu erkennen. In der Mitte des Kastells ist das dreieckige Gebäude dargestellt. Im Vordergrund links erhebt sich das Eisenwerk mit einem nach vorne offenen Gebäude, in dem zwei Antriebsräder zu sehen sind. Ein zweistöckiges Gebäude, wahrscheinlich das Haus des Hüttenmeisters steht rechts daneben. In der Tat standen Römerkastell und Hüttenwerk in direkter Nachbarschaft.
Die älteste Zeichnung des Jünkerather Schlosses erkennt der Betrachter am rechten Bildrand.
Obwohl das Schloss nur etwa zur Hälfte dargestellt ist, erahnt man das wuchtige Gebäude mit seinen zwei Geschossen. Eine Mauer und womöglich ein Wassergraben umgeben das Schloss.(Abbildung 3)
Heute sind die Reste des Kastells durch Hüttenwerk, Bahnanlagen und Bebauung bis auf wenige Sandsteinquader, die man bei Kanalisationsarbeiten ausgrub, verschwunden und die Schlossruinen künden kaum noch von (grund)-herrlichen Feudalzeiten. Lediglich das Hüttenwerk hat sich als einzigstes von etwa 60 Eisenhütten im Hocheifelraum halten können.
Erhalten geblieben ist aber auch eine bedeutende Quelle der Jünkerather Geschichte:
Die "Monumenta vetustatis germanicae" von Johann Eberhard Rau.

 

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